Update für unsere ältesten Router: neues batman-adv und ein zweites Standbein

Nicht jeder Freifunk-Router in unserem Netz verträgt die aktuelle Firmware. Die ältesten Geräte, etwa TP-Link WR841N oder Ubiquiti NanoStation M2 mit nur 32 MB Arbeitsspeicher, laufen in unserer Sackgasse: einer Firmware auf Basis des veralteten Gluon 2021.1.

Ubiquiti NanoStation loco M2 an einem Metallmast, mit Kabelbindern am Halter befestigt. Darunter hängen zwei Wellrohre, eines ist mit aufgescheuertem Gewebeband umwickelt.

Seit dem 17. Oktober gibt es für diese Geräte doch noch mal ein Update. Wir haben dafür aus unseren neueren Firmwares zurückgeholt, was auf der alten Basis (Gluon 2021.1 mit OpenWrt 19.07) noch geht. Am wichtigsten: eine neue Version des Routing-Protokolls batman-adv und die Kompatibilität mit neuen Supernodes.

Neues batman-adv: weniger Ballast im Mesh

batman-adv ist die Software, mit der sich unsere Router untereinander das Netz aufbauen. Auf den alten Geräten springt sie von Version 2019.2 auf 2024.3. Das ist derselbe Stand wie in unserer aktuellen Firmware 2025.1.3.

Davon hat das ganze Netz etwas, nicht nur der alte Router selbst. Bei Multicast, also bei Paketen an eine Gruppe von Geräten, greifen die sparsamen Verfahren von batman-adv nur, wenn jeder Router in einer Domain sie beherrscht. Ein einziger alter Router zieht sonst die ganze Domain herunter.

Seit Version 2024.0 kann batman-adv ein solches Paket mit einer Liste der Empfänger durchs Mesh schicken. Ohne diese Fähigkeit bleiben nur Einzelkopien oder das Fluten durch die ganze Domain. Diese Bremse fällt in einer Domain weg, sobald dort alle Router eine aktuelle Firmware haben. Mit diesem Update können das nun auch die ältesten. Das betrifft Multicast, nicht jeden Verkehr im Mesh. Auf die Ergebnisse in Domains, in denen alle Router aktualisiert sind, sind wir gespannt.

Dazu kommt: Die alten Router senden ihre Broadcasts (Rundrufe) ins Funk-Mesh jetzt mit 24 statt 12 Mbit/s. Rechnerisch brauchen diese Pakete damit nur noch die halbe Funkzeit, was den Durchsatz im WLAN-Mesh verbessern sollte, reduziert jedoch umgekehrt auch die Reichweite von Mesh-Verbindungen.

Ganz neu ist das neue batman-adv auf alten Routern nicht, andere waren schneller: T-X hat schon im November 2024 einen Vorschlag für batman-adv 2024.3 auf Gluon 2021.1 eingereicht, und in Lübeck läuft batman-adv 2024.3 seit über einem Jahr auf alten WR841N. Funktioniert also offensichtlich, und nun endlich auch bei uns. Danke für die Vorarbeit!

Ein zweites Standbein: Supernode(s)

Eure Router kommen über unsere Supernodes ins Internet. Die gehen bisher alle über den Internet-Ausgang des Freifunk Rheinland e.V. Wir hoffen, dass das so bleibt. Aber als Verein brauchen wir einen Plan B für den Fall, dass es doch einmal Probleme gibt, die sich nicht kurzfristig lösen lassen.

Denn gegenüber denjenigen, bei denen die Freifunkrouter stehen, fühlen wir uns verpflichtet. Eine vertragliche Zusage zur Verfügbarkeit gibt es dafür nicht, trotzdem möchten wir im Fall der Fälle niemanden im Regen stehen lassen.

Deshalb gehen wir einen lange überfälligen Schritt: Wir beziehen unseren Uplink aus mehr als einer Quelle. Unser zweites Standbein ist der Verein Freie Netze Südhessen. Dort läuft seit Ende Oktober unser erster zusätzlicher Supernode; sein Weg ins Internet führt dabei nicht über den Freifunk Rheinland.

Warum steckt das in einem Firmware-Update? Einen neuen Supernode kann man nicht einfach dazuschalten. Zwei Dinge müssen vorher in die Firmware:

  • Die Namen der Supernodes. Ein Router verbindet sich nur mit Supernodes, die in seiner Firmware stehen.
  • Die öffentlichen IPv6-Netze. Jeder Router lässt von angeschlossenen Geräten nur Absender aus bekannten Netzen ins Mesh. So verhindert man das Herumschwirren von falschen IP-Adressen im Netz, z. B. weil jemand mit mehreren Routern versehentlich Client-Netze verschiedener Freifunk-Communities zusammengesteckt hat. Diese Liste steckt fest in der Firmware. Fehlt dort ein Netzbereich, bekommt ein Handy zwar eine IPv6-Adresse, seine Pakete verwirft der Router aber.

Mit diesem Update kennen auch unsere ältesten Router den neuen Supernode und seine Netze.

Sicherheitslücken geschlossen

Freifunk-Router verbinden sich untereinander per WLAN-Mesh. Genau dort steckte ein Fehler im Linux-Kernel: Ein Gerät in Funkreichweite konnte einen Router mit einem präparierten Funkpaket zum Absturz bringen (CVE-2026-23279 und CVE-2026-23396). Das Update schließt diese Lücke und behebt dazu ein Speicherleck im Mesh sowie einige weitere Fehler.

Auch an kleineren Stellen haben wir nachgebessert: am Webserver der Router, an der Namensauflösung (dnsmasq), an der automatischen Adressvergabe und am internen Nachrichtendienst ubus.

Stabiler im Betrieb

  • Überwachung: Die Prüfung der Verbindung zum Gateway ist gründlicher geworden.
  • Tunnel: Der Router repariert sich selbst, wenn sein Tunnel steht, die Internetleitung aber fehlt.
  • Weniger Abstürze: Ein Fehler im Netzwerktreiber ist behoben, und aus der aktuellen Firmware kommt der Schutz gegen WLAN-Aussetzer dazu.
  • Speicher: mehr Platz im Flash und weniger Bedarf an Arbeitsspeicher. Gescriptete Jobs laufen nicht mehr alle gleichzeitig zur vollen Stunde.

Was Ihr davon seht

  • Statusseite wie in unserer neuen Firmware: mehr Details, die SSID, Darkmode, und die Zahl der Clients nur für die Funk-Bänder, die der Router wirklich hat.
  • Setup-Mode: Handys erkennen ihn als Anmeldeseite, er ist unter http://setup.gluon erreichbar und bringt ein eigenes WLAN für die Einrichtung mit.
  • Auto-Update mit Rückfall: Hat ein Router lange keine Verbindung, versucht er, sein Update über ein benachbartes Freifunk-WLAN zu holen.
  • Nur noch Englisch: Die Oberfläche gibt es auf diesen Geräten nur noch auf Englisch. Für Deutsch ist im kleinen Speicher kein Platz mehr.
  • Nicht in NodeMonitor: Auch für die Angaben an die App NodeMonitor reicht der Speicher nicht. Diese Router erscheinen dort nicht.
  • Wieder dabei: der D-Link DIR-615 C1.

Was Ihr tun müsst

Nichts. Router mit eingeschaltetem Auto-Update holen sich die neue Version von selbst, Eure Einstellungen bleiben erhalten.

Falls Ihr das Auto-Update nicht aktiviert habt: Schaltet es ein. Sonst heißt Euer WLAN vermutlich irgendwann FF_Offline_…, weil Eure Domain gerade auf einem neuen Supernode ist. Oder, schlimmer: Über einen Mesh-Nachbarn mit aktueller Firmware gibt es zwar Freifunk, aber über IPv6 kein Internet. Je nach Gerät muss dann immer erst auf IPv4 zurückgeschaltet werden, und alles wird langsamer.

Und wenn Ihr einen dieser alten Router gegen ein neueres Gerät tauschen wollt: Passende Router nach Euren Filter-Kriterien zeigt Euch routerwahl.ffnef.de.