In vielen Kellern und Schubladen liegen Router, die jahrelang Freifunk gemacht haben: TL-WDR3600, TL-WDR4300, FRITZ!Box 3390, CPE510. Für Freifunk sind sie heute kaum noch sinnvoll, ihr Funk auf 5 GHz kann nur 802.11n.
Wegwerfen wäre trotzdem schade. Denn genau ihr alter WLAN-Chip von Atheros kann etwas, das neuere Chips nicht können: Er lässt sich auf die Frequenzen einstellen, auf denen Autos und Ampeln ihre Funkmeldungen senden. Wir haben dafür eine Firmware gebaut. Router anschließen, einschalten, und er füttert die OpenTrafficMap.
Vor einer Woche haben wir den Empfänger auf dem WIR-Haus gezeigt und eigene Firmware angekündigt. Hier ist sie.
Die Idee dazu stammt von MPW1412. Von ihm kommen openwrt-otm-bridge, das Programm, das die Meldungen weiterreicht, und der Bau für die FRITZ!Box 3390. Darauf baut unsere Firmware auf.

Worum es geht
Manche Fahrzeuge und Ampeln senden auf 5.9 GHz kurze Funkmeldungen, etwa wo ein Auto gerade ist, wie schnell es fährt, ob das Licht an ist, bremst oder gar das ESP gerade eingreift. Das nennt sich C-ITS oder ITS-G5 und ermöglicht es, akute Verkehrsgefahren (Stau-Ende, Glatteis, Aquaplaning) direkt von Auto zu Auto zu übermitteln. Die OpenTrafficMap sammelt diese Meldungen und macht sie sichtbar.
Unsere Router hören nur zu, sie senden auf diesen Kanälen nichts.
Welche alten Router passen?
- Laufen und empfangen nachweislich: TP-Link TL-WDR3600, TL-WDR4300 und CPE510, AVM FRITZ!Box 3390, Ubiquiti LiteBeam M5 XW.
- Firmware gebaut, noch nicht getestet: TP-Link CPE510 v2/v3, CPE610, WBS510, TL-WDR3500, TL-WDR4310 sowie Ubiquiti NanoStation M XW, NanoStation Loco M XW, PowerBeam M5 XW und Bullet M XW.
Wer eines der ungetesteten Geräte hat: Probiert es aus und gebt uns Bescheid!
Nicht jedes Gerät mit Atheros-Chip taugt. Ein Nachbau einer NanoStation war ab etwa 5.8 GHz taub, vermutlich wegen der Filter in der Hardware. Gar nicht geeignet sind Geräte, deren 5 GHz über den neueren Treiber ath10k läuft (zum Beispiel LiteBeam AC oder UniFi AC), und Router, die nur 2.4 GHz können.
Was es sonst braucht, ist vor allem freie Sicht auf eine Straße. Ein Router hinter der Fensterscheibe geht auch, die Wellenausbreitung ist aber wirklich ‚optisch‘, schon eine Reihe Büsche schirmt ab. Bei einem von uns steht ein TL-WDR4300 seit rund drei Monaten draußen auf der Fensterbank und hat mehrere Regenschauer überstanden (bitte nicht nachmachen, ein Dach darüber schadet nicht). Wer weiter sehen will, nimmt ein Außengerät mit Richtantenne.

Die Firmware
- Grundlage: ein schlankes OpenWrt 25.12, ohne Weboberfläche. Für die NanoStation M (XM) noch OpenWrt 21.02.
- Anpassungen: die ITS-G5-Kanäle bis 5.925 GHz, nur zum Empfangen freigegeben, und schmale 10-MHz-Kanäle.
- Einstecken, fertig: Alle Netzwerkanschlüsse holen sich ihre Adresse per DHCP. Router ans Netz, Strom an, der Rest läuft von selbst.
- Updates: Ein Autoupdater wie bei Freifunk holt neue Versionen, nur wenn sie von mindestens zwei von uns signiert sind. Die Einstellungen bleiben dabei erhalten.
- Ohne Hintertür: Die Images zum Herunterladen enthalten keine SSH-Schlüssel, SSH ist dort ganz aus.
Herunterladen: firmware.ffnef.de/otm/stable (factory zum Erstinstallieren, sysupgrade zum Aktualisieren). Den Quelltext gibt es offen bei GitHub.
Warum die Daten erst zu uns gehen
Die Router schicken ihre Daten durch einen verschlüsselten Tunnel zu einem unserer Server (faktisch ein umgebauter Supernode mit fastd), und erst der reicht sie verschlüsselt an die OpenTrafficMap weiter. So müssen die alten Geräte keinen SSL/TLS-Stack mitschleppen: Viele haben nur 8 MB Speicher, und Zertifikate, die einmal im Gerät stecken, veralten. Im Tunnel ist das unser Problem, nicht das des Routers.
Der Tunnel muss nicht für jedes Gerät freigeschaltet werden, und durch ihn läuft nur, was er soll: die Messdaten und die Fernwartung, nicht der übrige Internetverkehr. Wer lieber direkt sendet, kann sich die Firmware auch so bauen.
Was ankommt
Wie viel die Empfänger auffangen, zeigt eine öffentliche Statistik, ohne Anmeldung: otm.ffnef.de. Dort gibt es auch eine Heatmap, auf der grob zu sehen ist, wo die gesendeten Meldungen herkommen, gerastert auf etwa 100 Meter und ohne Kennungen der Fahrzeuge.

Wer selbst einen Empfänger betreibt, sieht dort auch Karte und Statistik seines eigenen Geräts: was es auffängt, wann, und wie gut der Empfang ist. So sah das bei uns am 15.10.2026 aus:


Mitmachen
Wer einen passenden alten Router übrig hat und ihn an einem Fenster oder auf dem Dach mit Blick auf eine Straße betreiben kann, gibt ihm ein zweites Leben und hilft der OpenTrafficMap.
Wer solche Geräte noch herumliegen hat und nicht selbst aufhängen möchte: Wir nehmen sie gern als Spende. Wir haben Standorte, wo sie dann mehr Fahrzeuge empfangen würden als die dort derzeit verbauten ESP32.
Fragen und Rückmeldungen gern an projekt@neanderfunk.de.